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Schuldruckerei

  • Forum Freinet - Schuldruckerei

  • Die Kolumne

    9/2012

    Das Archiv freier Kindertexte

    Texte von Kindern, noch dazu in Verbindung mit einer Schuldruckerei, hatten lange Zeit und haben immer noch keinen Stellenwert in der Pädagogik. Wie so vieles, von dem, was Kinder so sagen, tun, wollen - oder auch schreiben. Selbst dann, wenn es gedruckt ist.

    Dabei hat schon Maria Montessori formuliert: "Kinder sind anders!" (dt: 1952). Januz Korczack schrieb: "Das Kind wird nicht erst Mensch, es ist Mensch!" Was also Kinder zu sagen haben, ist schon im Kindergarten von anderer Natur, wie das was die Erwachsenen sagen. Es ist aber trotz seiner Anderartigkeit genau so wichtig. Rosy Henneberg hat sich in Kindergartengruppen als (menschliche) 'Schreibmaschine' zur Verfügung gestellt:
      "Weil wir was sagen und du schreibst es auf, und dann können es alle lesen, weil wir ja noch nicht richtig schreiben können - nicht so richtig - dass es alle lesen können - und trotzdem wissen dann alle, was wir wollen oder was wir sagen." (Henneberg, R. (2008): Als 'Schreibmaschine' der Kinder konnte ich viel lernen, in: FuV 123, S. 26)
    Rosy Henneberg wollte, "dass sie (die Kinder) die Möglichkeit bekommen, sich aktiv einzumischen und das Erwachsene das schwarz auf weiß lesen können." (Ebenda, S. 27) Und was hatten die Kindergartenkinder so wichtiges mitzuteilen? "Verträge wurden geschlossen, Hinweise gegeben, Regeln festgelegt, Bücher geschrieben, Rezepte und Tipps ausgetauscht, Plakate entworfen ... und vieles mehr." (Ebenda, S. 28) Ein Beispiel: "Ich will morgen in der Küche eine Gemüsepfanne kochen und brauche die Iris dafür." (Ebenda, S. 31)

    Es verblüfft. Und es zeigt sich: Das was Kinder mitzuteilen haben, ist nicht weniger bedeutsam, nur weil sie noch nicht schreiben können, oder dann in der Schule. nur weil sie sich noch nicht so ausdrücken können wie Erwachsene.

    Das hat auch Eva Maria Kohl an der Martin-Luther-Universität Halle erkannt und in einem 'Archiv für Kindertexte' über 100.000 von Mitteilungen - freie Texte - aller Art von Kindern gesammelt und auf diese Weise der wissenschaftlichen Forschung zugänglich gemacht.

    Im Archiv für Kindertexte sollen alle kindlichen Schreibprodukte - veröffentlichte wie unveröffentlichte - gesammelt werden und so als wichtiger Bestandteil von Kinderkultur gesichert werden. Die Sammlung stelt auch eine Anerkennung und Wertschätzung kindlicher Schreibprozesse dar. Die Bedeutung der individuellen Selbst&äuml;ußerungen des Kindes wird damit unterstrichen. Diese Texte sind authentische Aussagen von Kindern und ermöglichen konsequente Forschung aus kindlicher Perspektive. [Quelle: Eva Maria Kohl, Michael Ritter, Alexander Jantz (2008): Die Stimmen der Kinder: Forschungsstelle: 'Archiv für Kindertexte', Konzept, S. 65ff]

    Inzwischen ist eine Dissertation abgeschlossen - Ritter, Michael (2008): Wege ins Schreiben: Eine Studie zur Schreibdidaktik in der Grundschule. Weitere sind in Arbeit: Alexandra Ritter: Lesarten des Bilderbuchs. Neue Erzählformen im Bilderbuch als Ausgangspunkt für produktive Ausdrucksformen von 8-10jährigen; Eva Wunderlich: Überlegungen zu Schreib- und Erzählspielen mit Kindern im Kontext identitätstheoretischer und phänomenologischer Konzepte zum Sein in Geschichten; Nadine Rönicke: Mündliches Erzählen und konzeptionelle Schriftlichkeit. Eine empirische Studie zur Auswirkung von Erzählanlässen auf die Entwicklung der konzeptionellen Schriftlichkeit bei Grundschulkindern und Katrin Greiner: Zeig mir ein Buch vom Tod. Narrative Strategien, in Bilderbüchern für Kinder "Unerklärbares" sichtbar zu machen.

    Auf der Webseite des Archivs können auch Hörproben von Kindertexten (.mp3) aufgerufen werden.

    Jürgen Göndör

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