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PrinzHöfte: Rezension der Schul-Homepage

Rezension von Jürgen Göndör, 1.3.2005

Homepage der Schule in PrinzHöfte
Schule in PrinzHöfte
Januar 2005

Grundschule in freier Trägerschaft - Ersatzschule von besonderer pädagogischer Bedeutung Schule mit besonderer päd. Bedeutung mit Gesamtschulcharakter-SEK I (Ersatzschule)

Ersatzschulen sind private Schulen, die in ihren Bildungs- und Erziehungszielen öffentlichen im einem Bundesland vorhandenen oder vorgesehenen Schulen entsprechen. So oder ähnlich steht es in den Gesetzestexten von Landesregierungen. Die Anerkennung der Schulabschlüsse ist unterschiedlich. In manchen Bundesländern müßen die Kids eine zusätzliche staatliche Prüfung machen - z.B. in Bayern - in anderen Bundesländern vergeben die Ersatzschulen gleichberechtigte Schulabschlüsse. PrinzHöfte hat Glück, in Niedersachsen werden gleichberechtigte Schulabschlüsse vergeben.

Was ist die besondere pädagogische Bedeutung von PrinzHöfte?

Ist es nur das ansprechende Design der Homepage? Oder sind es die Inhalte. Schon hier stechen verschiedene Begriffe ins Auge und machen neugierig: Schule auf Reisen, Schülerfirmen, Elternschule.


Der Schulrundgang zeigt ein Erlebnigelände (mit Feuerstelle), einen Kräutergarten (Kräuterspirale), einen Schulflur - dessen Wände in der Farbgebung an Waldorschulen erinnern, einen Teich mit Bienenkörben und natürlich auch das Schulgebäude, das in einem ehemaligen Warnamt untergebracht ist.

Die Projektseite stellt nicht nur Projekte vor, sondern macht auch deutlich, daß die Projekte in PrinzHöfte keine Lehrerprojekte für die Kinder sind, sondern von den Kindern kommen.

    „Kinder kommen mit den unterschiedlichsten Ideen und Fragen in die Schule. Anhand dieser echten Fragen der Kinder entwickeln wir gemeinsam Projektideen und Forschungsvorhaben.

    ... Die Kinder lernen von der ersten Klasse an, ihre Projektvorhaben immer selbstständiger zu planen und durchzuführen. Sie lernen, konkrete Fragen zu formulieren, Material zu sichten und zu beschaffen, Informationen aus Texten zu entnehmen, im Internet zu recherchieren und ihre Ergebnisse in den regelmäßigen Präsentationen darzustellen.“ [aus der Homepage]

So werden im Projekt Reperaturwerkstatt auch im Kundenauftrag z.B. Haushaltsgeräte oder Möbelstücke restauriert. „Neben den technischen und handwerklichen Fertigkeiten erwerben die Schüler in diesem Projekt auch kaufmännische Fähigkeiten wie Werbung, Preiskalkulation und Buchführung.“ [aus der Homepage].

Das Projekt Afrika ist jahrgangsübergreifend in der Sek I angesiedelt.

Auch im Projekt „Der Taucher“ von Schiller ist nicht die geschickte Planung der Lehrer am Werk, sondern einige Kinder hatten sich vorgenommen, sich näher mit dem Text zu beschäftigen.

Leider beschränkt sich die Dokumentation der Projekte auf ganz wenige Bilder. Auch wünscht man sich mehr Texte aus dem Projekt selbst.

Interessant ist auch die Kategorie Elternschule. Die Eltern sind nicht nur stillt Zahler, sondern verpflichten sich vertraglich, aktiv in der Selbstverwaltung der Schule mitzuarbeiten. Erwartet wird die Mitarbeit in mindestens einem der Gremien der Selbstverwaltung und ca. sieben Arbeitsstunden. Dazu kommt noch die Teilnahme an den Elternabenden, die alle zwei Wochen stattfinden. Dabei wechseln sich organisatorische und pädagogische Themen ab.

Spannend wird es bei der Pädagogik.

Etwas verwundert ließt man: „Mit dem pädagogischen Konzept dieser Schule – das in Deutschland einzigartig ist - wird in hohem Maße pädagogisches Neuland beschritten, denn hier wird eine neue Form von Pädagogik erprobt und etabliert. Aus diesem Grund ist die Arbeit der PrinzHöfte-Schule Bassum auch bildungspolitische Arbeit.“ Dabei haben sich die PrinzHöfter in die große Gruppe derer eingereiht, für die die Pädagogik mit dem Jahr 1945 beginnt. Aus reformpädagogischer Sicht jedenfalls wird auch an dieser Schule an Traditionen aus den 20er Jahren angeknüpft. Ohne diesen Bezug aber wird jedes Rad neu erfunden. Ganz unverständlich wird diese Blickweise, wenn die Reformpädagogik Célestin Freinets als Grundlage dieser Schule vorgestellt wird.

Statt einer trockenen pädagogischen Abhandlung zeigen eine Reihe von Beispielen, wie das denn in der Praxis funktioniert (zwei Beispiele):

    „Die Kinder schaffen sich selbst ihre Regeln im Umgang miteinander und sorgen für deren Einhaltung. Dabei hilft ihnen unter anderem eine »Streitschlichter-Ausbildung« (Unterrichtung in Mediation).

    Kinder lernen von Kindern. Ältere Schüler übernehmen die Rolle des Helfers, indem sie Kleinere beim Erlernen der Kulturtechniken (Lesen, Schreiben, Rechnen) unterstützen.“

Es gibt natürlich auch wenige Schulregeln. So ist z.B. körperliche Gewalt verboten.

Das alles funktioniert natürlich nicht, wenn es nicht eine wirkliche Schulgemeinde gibt. Daher gibt es Eltern-Lehrer-Schüler-Gespräche immer dann, wenn sich die Notwendigkeit dazu ergibt. Das Elterncafé ist ein gerne genutzter Treffpunkt.

Auch der Lernalltag ist kein Lernen nach vorgeschriebenen Plan, sondern nach einem selbstgestrickten, mit den Lehrern abgesprochenen Plan. Täglich wird besprochen, was wichtig ist, wer an welchen Vorhaben arbeitet. Auch das eigene Lerntempo wird in die Planung einbezogen. Auf Kinderkonferenzen und Schulversammlungen wird die gemeinsame Arbeit in der Schule abgestimmt.

Konzessionen an die Schulrealität außerhalb von PrinzHöfte ist nur die Einschränkung, daß die Kinder ihre Entscheidungen innerhalb eines festen thematischen Rahmens treffen und das Kinder, die sich um ein Thema „herumdrücken“ von den Lehrern mit sanftem Zwang aufs rechte Geleis gebracht werden. Gottseidank hat auch hier das Kind und sein vitales Interesse den Vorrang vor diesem Zwang, wenn für das Kind etwas anderes wirklich wichtig ist. Es wird aber immer eine Gratwanderung bleiben, wenn der Übergang in eine andere Schule jederzeit möglich sein soll. Aus den FAQ scheint auch hervorzugehen, daß zumindest den Eltern diese Frage: „Lernt man Kind auch genug?“ nicht aus dem Kopf zu gehen scheint und so diese Konzessionen mit erzwingen.

Damit sind diese Eltern zwar wie auch an anderen alternativen Schulen genau im Trend, doch es ist vollkommen unverständlich: Wer stellt diese Fragen an die Regelschule? Da kann Pisa noch so sehr bescheinigen, daß diese Regelschule eher schlecht wie recht arbeitet, alternative Schulen stehen immer wieder unter diesem Rechtfertigungsdruck und immer wieder entscheiden sich Eltern zugunsten der Regelschule als des vermeintlich besseren Schulsystems.

Die Schulreisen helfen Fragen zu finden, die dann in den Arbeitsvorhaben der Schüler bearbeitet werden. Fragen werden also nicht vornehmlich von den Lehrern an die Schüler herangetragen, sondern die Schüler Situationen ausgesetzt, in denen Fragen entstehen.

Natürlich kann eine Homepage nicht alle Fragen des Schulalltages abschließend behandeln. Sie bringt aber die andere Art des Lernens und des Umgehens von Schülern, Lehrer und Eltern gut zum Ausdruck. Die Aufmachung macht neugierig auf die Inhalte. Ein Manko der Seite ist das vieler Homepages im Internet: Die Kommunikation mit den Besuchern aus dem Internet ist auf die Angabe der E-Mail-Adresse auf der Kontaktseite beschränkt. Es gibt keine Gelegenheit mit der Schule in eine auch von anderen nachvollziehbaren Dialog einzutreten, keinen Newsletter, der Interessenten mit weiteren Informationen über das Schulleben versorgt. Wahrscheinlich auch keine man-power, diesen Service anzubieten.

Das ändert aber nichts daran, daß diese Homepage als eine der wenigen Schulhomepages ein anderes Lernen deutlich in vielen Facetten vorstellt. Der Besuch ist sehr zu empfehlen um die besondere Bedeutung dieses Konzepts nicht nur virtuell kennenzulernen.

Ersatzschulen sind private Schulen, die in ihren Bildungs- und Erziehungszielen öffentlichen im einem Bundesland vorhandenen oder vorgesehenen Schulen entsprechen. So oder ähnlich steht es in den Gesetzestexten von Landesregierungen. Die Anerkennung der Schulabschlüsse ist unterschiedlich. In manchen Bundesländern müßen die Kids eine zusätzliche staatliche Prüfung machen - z.B. in Bayern - in anderen Bundesländern vergeben die Ersatzschulen gleichberechtigte Schulabschlüsse. PrinzHöfte hat Glück, in Niedersachsen werden gleichberechtigte Schulabschlüsse vergeben.

Was ist die besondere pädagogische Bedeutung von PrinzHöfte?

Ist es nur das ansprechende Design der Homepage? Oder sind es die Inhalte. Schon hier stechen verschiedene Begriffe ins Auge und machen neugierig: Schule auf Reisen, Schülerfirmen, Elternschule.

Der Schulrundgang zeigt ein Erlebnigelände (mit Feuerstelle), einen Kräutergarten (Kräuterspirale), einen Schulflur - dessen Wände in der Farbgebung an Waldorschulen erinnern, einen Teich mit Bienenkörben und natürlich auch das Schulgebäude, das in einem ehemaligen Warnamt untergebracht ist.

Die Projektseite stellt nicht nur Projekte vor, sondern macht auch deutlich, daß die Projekte in PrinzHöfte keine Lehrerprojekte für die Kinder sind, sondern von den Kindern kommen.

    „Kinder kommen mit den unterschiedlichsten Ideen und Fragen in die Schule. Anhand dieser echten Fragen der Kinder entwickeln wir gemeinsam Projektideen und Forschungsvorhaben.

    ... Die Kinder lernen von der ersten Klasse an, ihre Projektvorhaben immer selbstständiger zu planen und durchzuführen. Sie lernen, konkrete Fragen zu formulieren, Material zu sichten und zu beschaffen, Informationen aus Texten zu entnehmen, im Internet zu recherchieren und ihre Ergebnisse in den regelmäßigen Präsentationen darzustellen.“ [aus der Homepage]

So werden im Projekt Reperaturwerkstatt auch im Kundenauftrag z.B. Haushaltsgeräte oder Möbelstücke restauriert. „Neben den technischen und handwerklichen Fertigkeiten erwerben die Schüler in diesem Projekt auch kaufmännische Fähigkeiten wie Werbung, Preiskalkulation und Buchführung.“ [aus der Homepage].

Das Projekt Afrika ist jahrgangsübergreifend in der Sek I angesiedelt.

Auch im Projekt „Der Taucher“ von Schiller ist nicht die geschickte Planung der Lehrer am Werk, sondern einige Kinder hatten sich vorgenommen, sich näher mit dem Text zu beschäftigen.

Leider beschränkt sich die Dokumentation der Projekte auf ganz wenige Bilder. Auch wünscht man sich mehr Texte aus dem Projekt selbst.

Interessant ist auch die Kategorie Elternschule. Die Eltern sind nicht nur stillt Zahler, sondern verpflichten sich vertraglich, aktiv in der Selbstverwaltung der Schule mitzuarbeiten. Erwartet wird die Mitarbeit in mindestens einem der Gremien der Selbstverwaltung und ca. sieben Arbeitsstunden. Dazu kommt noch die Teilnahme an den Elternabenden, die alle zwei Wochen stattfinden. Dabei wechseln sich organisatorische und pädagogische Themen ab.

Spannend wird es bei der Pädagogik.

Etwas verwundert ließt man: „Mit dem pädagogischen Konzept dieser Schule – das in Deutschland einzigartig ist - wird in hohem Maße pädagogisches Neuland beschritten, denn hier wird eine neue Form von Pädagogik erprobt und etabliert. Aus diesem Grund ist die Arbeit der PrinzHöfte-Schule Bassum auch bildungspolitische Arbeit.“ Dabei haben sich die PrinzHöfter in die große Gruppe derer eingereiht, für die die Pädagogik mit dem Jahr 1945 beginnt. Aus reformpädagogischer Sicht jedenfalls wird auch an dieser Schule an Traditionen aus den 20er Jahren angeknüpft. Ohne diesen Bezug aber wird jedes Rad neu erfunden. Ganz unverständlich wird diese Blickweise, wenn die Reformpädagogik Célestin Freinets als Grundlage dieser Schule vorgestellt wird.

Statt einer trockenen pädagogischen Abhandlung zeigen eine Reihe von Beispielen, wie das denn in der Praxis funktioniert (zwei Beispiele):

    „Die Kinder schaffen sich selbst ihre Regeln im Umgang miteinander und sorgen für deren Einhaltung. Dabei hilft ihnen unter anderem eine »Streitschlichter-Ausbildung« (Unterrichtung in Mediation).

    Kinder lernen von Kindern. Ältere Schüler übernehmen die Rolle des Helfers, indem sie Kleinere beim Erlernen der Kulturtechniken (Lesen, Schreiben, Rechnen) unterstützen.“

Es gibt natürlich auch wenige Schulregeln. So ist z.B. körperliche Gewalt verboten.

Das alles funktioniert natürlich nicht, wenn es nicht eine wirkliche Schulgemeinde gibt. Daher gibt es Eltern-Lehrer-Schüler-Gespräche immer dann, wenn sich die Notwendigkeit dazu ergibt. Das Elterncafé ist ein gerne genutzter Treffpunkt.

Auch der Lernalltag ist kein Lernen nach vorgeschriebenen Plan, sondern nach einem selbstgestrickten, mit den Lehrern abgesprochenen Plan. Täglich wird besprochen, was wichtig ist, wer an welchen Vorhaben arbeitet. Auch das eigene Lerntempo wird in die Planung einbezogen. Auf Kinderkonferenzen und Schulversammlungen wird die gemeinsame Arbeit in der Schule abgestimmt.

Konzessionen an die Schulrealität außerhalb von PrinzHöfte ist nur die Einschränkung, daß die Kinder ihre Entscheidungen innerhalb eines festen thematischen Rahmens treffen und das Kinder, die sich um ein Thema „herumdrücken“ von den Lehrern mit sanftem Zwang aufs rechte Geleis gebracht werden. Gottseidank hat auch hier das Kind und sein vitales Interesse den Vorrang vor diesem Zwang, wenn für das Kind etwas anderes wirklich wichtig ist. Es wird aber immer eine Gratwanderung bleiben, wenn der Übergang in eine andere Schule jederzeit möglich sein soll. Aus den FAQ scheint auch hervorzugehen, daß zumindest den Eltern diese Frage: „Lernt man Kind auch genug?“ nicht aus dem Kopf zu gehen scheint und so diese Konzessionen mit erzwingen.

Damit sind diese Eltern zwar wie auch an anderen alternativen Schulen genau im Trend, doch es ist vollkommen unverständlich: Wer stellt diese Fragen an die Regelschule? Da kann Pisa noch so sehr bescheinigen, daß diese Regelschule eher schlecht wie recht arbeitet, alternative Schulen stehen immer wieder unter diesem Rechtfertigungsdruck und immer wieder entscheiden sich Eltern zugunsten der Regelschule als des vermeintlich besseren Schulsystems.

Die Schulreisen helfen Fragen zu finden, die dann in den Arbeitsvorhaben der Schüler bearbeitet werden. Fragen werden also nicht vornehmlich von den Lehrern an die Schüler herangetragen, sondern die Schüler Situationen ausgesetzt, in denen Fragen entstehen.

Natürlich kann eine Homepage nicht alle Fragen des Schulalltages abschließend behandeln. Sie bringt aber die andere Art des Lernens und des Umgehens von Schülern, Lehrer und Eltern gut zum Ausdruck. Die Aufmachung macht neugierig auf die Inhalte. Ein Manko der Seite ist das vieler Homepages im Internet: Die Kommunikation mit den Besuchern aus dem Internet ist auf die Angabe der E-Mail-Adresse auf der Kontaktseite beschränkt. Es gibt keine Gelegenheit mit der Schule in eine auch von anderen nachvollziehbaren Dialog einzutreten, keinen Newsletter, der Interessenten mit weiteren Informationen über das Schulleben versorgt. Wahrscheinlich auch keine man-power, diesen Service anzubieten.

Das ändert aber nichts daran, daß diese Homepage als eine der wenigen Schulhomepages ein anderes Lernen deutlich in vielen Facetten vorstellt. Der Besuch ist sehr zu empfehlen um die besondere Bedeutung dieses Konzepts nicht nur virtuell kennenzulernen.

Ersatzschulen sind private Schulen, die in ihren Bildungs- und Erziehungszielen öffentlichen im einem Bundesland vorhandenen oder vorgesehenen Schulen entsprechen. So oder ähnlich steht es in den Gesetzestexten von Landesregierungen. Die Anerkennung der Schulabschlüsse ist unterschiedlich. In manchen Bundesländern müßen die Kids eine zusätzliche staatliche Prüfung machen - z.B. in Bayern - in anderen Bundesländern vergeben die Ersatzschulen gleichberechtigte Schulabschlüsse. PrinzHöfte hat Glück, in Niedersachsen werden gleichberechtigte Schulabschlüsse vergeben.

Was ist die besondere pädagogische Bedeutung von PrinzHöfte?

Ist es nur das ansprechende Design der Homepage? Oder sind es die Inhalte. Schon hier stechen verschiedene Begriffe ins Auge und machen neugierig: Schule auf Reisen, Schülerfirmen, Elternschule.

Der Schulrundgang zeigt ein Erlebnigelände (mit Feuerstelle), einen Kräutergarten (Kräuterspirale), einen Schulflur - dessen Wände in der Farbgebung an Waldorschulen erinnern, einen Teich mit Bienenkörben und natürlich auch das Schulgebäude, das in einem ehemaligen Warnamt untergebracht ist.

Die Projektseite stellt nicht nur Projekte vor, sondern macht auch deutlich, daß die Projekte in PrinzHöfte keine Lehrerprojekte für die Kinder sind, sondern von den Kindern kommen.

    „Kinder kommen mit den unterschiedlichsten Ideen und Fragen in die Schule. Anhand dieser echten Fragen der Kinder entwickeln wir gemeinsam Projektideen und Forschungsvorhaben.

    ... Die Kinder lernen von der ersten Klasse an, ihre Projektvorhaben immer selbstständiger zu planen und durchzuführen. Sie lernen, konkrete Fragen zu formulieren, Material zu sichten und zu beschaffen, Informationen aus Texten zu entnehmen, im Internet zu recherchieren und ihre Ergebnisse in den regelmäßigen Präsentationen darzustellen.“ [aus der Homepage]

So werden im Projekt Reperaturwerkstatt auch im Kundenauftrag z.B. Haushaltsgeräte oder Möbelstücke restauriert. „Neben den technischen und handwerklichen Fertigkeiten erwerben die Schüler in diesem Projekt auch kaufmännische Fähigkeiten wie Werbung, Preiskalkulation und Buchführung.“ [aus der Homepage].

Das Projekt Afrika ist jahrgangsübergreifend in der Sek I angesiedelt.

Auch im Projekt „Der Taucher“ von Schiller ist nicht die geschickte Planung der Lehrer am Werk, sondern einige Kinder hatten sich vorgenommen, sich näher mit dem Text zu beschäftigen.

Leider beschränkt sich die Dokumentation der Projekte auf ganz wenige Bilder. Auch wünscht man sich mehr Texte aus dem Projekt selbst.

Interessant ist auch die Kategorie Elternschule. Die Eltern sind nicht nur stillt Zahler, sondern verpflichten sich vertraglich, aktiv in der Selbstverwaltung der Schule mitzuarbeiten. Erwartet wird die Mitarbeit in mindestens einem der Gremien der Selbstverwaltung und ca. sieben Arbeitsstunden. Dazu kommt noch die Teilnahme an den Elternabenden, die alle zwei Wochen stattfinden. Dabei wechseln sich organisatorische und pädagogische Themen ab.

Spannend wird es bei der Pädagogik.

Etwas verwundert ließt man: „Mit dem pädagogischen Konzept dieser Schule – das in Deutschland einzigartig ist - wird in hohem Maße pädagogisches Neuland beschritten, denn hier wird eine neue Form von Pädagogik erprobt und etabliert. Aus diesem Grund ist die Arbeit der PrinzHöfte-Schule Bassum auch bildungspolitische Arbeit.“ Dabei haben sich die PrinzHöfter in die große Gruppe derer eingereiht, für die die Pädagogik mit dem Jahr 1945 beginnt. Aus reformpädagogischer Sicht jedenfalls wird auch an dieser Schule an Traditionen aus den 20er Jahren angeknüpft. Ohne diesen Bezug aber wird jedes Rad neu erfunden. Ganz unverständlich wird diese Blickweise, wenn die Reformpädagogik Célestin Freinets als Grundlage dieser Schule vorgestellt wird.

Statt einer trockenen pädagogischen Abhandlung zeigen eine Reihe von Beispielen, wie das denn in der Praxis funktioniert (zwei Beispiele):

    „Die Kinder schaffen sich selbst ihre Regeln im Umgang miteinander und sorgen für deren Einhaltung. Dabei hilft ihnen unter anderem eine »Streitschlichter-Ausbildung« (Unterrichtung in Mediation).

    Kinder lernen von Kindern. Ältere Schüler übernehmen die Rolle des Helfers, indem sie Kleinere beim Erlernen der Kulturtechniken (Lesen, Schreiben, Rechnen) unterstützen.“

Es gibt natürlich auch wenige Schulregeln. So ist z.B. körperliche Gewalt verboten.

Das alles funktioniert natürlich nicht, wenn es nicht eine wirkliche Schulgemeinde gibt. Daher gibt es Eltern-Lehrer-Schüler-Gespräche immer dann, wenn sich die Notwendigkeit dazu ergibt. Das Elterncafé ist ein gerne genutzter Treffpunkt.

Auch der Lernalltag ist kein Lernen nach vorgeschriebenen Plan, sondern nach einem selbstgestrickten, mit den Lehrern abgesprochenen Plan. Täglich wird besprochen, was wichtig ist, wer an welchen Vorhaben arbeitet. Auch das eigene Lerntempo wird in die Planung einbezogen. Auf Kinderkonferenzen und Schulversammlungen wird die gemeinsame Arbeit in der Schule abgestimmt.

Konzessionen an die Schulrealität außerhalb von PrinzHöfte ist nur die Einschränkung, daß die Kinder ihre Entscheidungen innerhalb eines festen thematischen Rahmens treffen und das Kinder, die sich um ein Thema „herumdrücken“ von den Lehrern mit sanftem Zwang aufs rechte Geleis gebracht werden. Gottseidank hat auch hier das Kind und sein vitales Interesse den Vorrang vor diesem Zwang, wenn für das Kind etwas anderes wirklich wichtig ist. Es wird aber immer eine Gratwanderung bleiben, wenn der Übergang in eine andere Schule jederzeit möglich sein soll. Aus den FAQ scheint auch hervorzugehen, daß zumindest den Eltern diese Frage: „Lernt man Kind auch genug?“ nicht aus dem Kopf zu gehen scheint und so diese Konzessionen mit erzwingen.

Damit sind diese Eltern zwar wie auch an anderen alternativen Schulen genau im Trend, doch es ist vollkommen unverständlich: Wer stellt diese Fragen an die Regelschule? Da kann Pisa noch so sehr bescheinigen, daß diese Regelschule eher schlecht wie recht arbeitet, alternative Schulen stehen immer wieder unter diesem Rechtfertigungsdruck und immer wieder entscheiden sich Eltern zugunsten der Regelschule als des vermeintlich besseren Schulsystems.

Die Schulreisen helfen Fragen zu finden, die dann in den Arbeitsvorhaben der Schüler bearbeitet werden. Fragen werden also nicht vornehmlich von den Lehrern an die Schüler herangetragen, sondern die Schüler Situationen ausgesetzt, in denen Fragen entstehen.

Natürlich kann eine Homepage nicht alle Fragen des Schulalltages abschließend behandeln. Sie bringt aber die andere Art des Lernens und des Umgehens von Schülern, Lehrer und Eltern gut zum Ausdruck. Die Aufmachung macht neugierig auf die Inhalte. Ein Manko der Seite ist das vieler Homepages im Internet: Die Kommunikation mit den Besuchern aus dem Internet ist auf die Angabe der E-Mail-Adresse auf der Kontaktseite beschränkt. Es gibt keine Gelegenheit mit der Schule in eine auch von anderen nachvollziehbaren Dialog einzutreten, keinen Newsletter, der Interessenten mit weiteren Informationen über das Schulleben versorgt. Wahrscheinlich auch keine man-power, diesen Service anzubieten.

Das ändert aber nichts daran, daß diese Homepage als eine der wenigen Schulhomepages ein anderes Lernen deutlich in vielen Facetten vorstellt. Der Besuch ist sehr zu empfehlen um die besondere Bedeutung dieses Konzepts nicht nur virtuell kennenzulernen.

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