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2.4 Organisation des Förderunterrichts


Die Schreibwerkstatt ist eingerichtet worden, damit die verschiedenen Medien den Kindern dauernd zur Verfügung stehen, was bei ständigem Raumwechsel nur sehr eingeschränkt möglich ist. Es sind nur solche Medien zusammengetragen worden, die in irgendeiner Form zum Schreiben bzw. handelnden Umgehen mit Buchstaben, Wörtern und Texten anregen oder darauf vorbereiten, z.B. Materialien zum Wahrnehmungstraining.

Den Kindern mit besonderen Schwierigkeiten beim Erlernen des Lesens und Schreibens steht in der Schreibwerkstatt ein Medienangebot zur Verfügung, wie es allen SchülerInnen nützen würde. Man brauchte die Kinder aus dem Unterricht gar nicht mal herauszunehmen, wenn jede Klasse eine Einrichtung wie die Schreibwerkstatt hätte und einige Stunden doppelt besetzt wären, so dass zwei LehrerInnen regelmäßig gleichzeitig der selbstständig lernenden Klasse zur Verfügung ständen. Leider sind die meisten Klassenräume für eine solche Einrichtung zu eng. Wo das jedoch wenigstens annähernd möglich ist, sollte man den Förderunterricht innerhalb der Klassengemeinschaft durchführen

Das Förderkonzept der Schreibwerkstatt basiert darauf, die Kinder aus dem Klassenverband herauszunehmen, nimmt aber ebenso für sich in Anspruch, binnendifferenziert und integrativ zu fördern. Dabei versteht sich die Schreibwerkstatt nicht als "Nachhilfeinstitution" für den Deutschunterricht. Sie arbeitet unabhängig, indem sie bei den Fähigkeiten des einzelnen Kindes ansetzt und darauf aufbaut. Eine Förderung parallel zur Freiarbeit ist ohne weiteres möglich. In der Schreibwerkstatt erlernen die Kinder die Freiarbeitstechniken wie Selbstorganisation und Selbstkontrolle der Arbeit auch, nur mit dem Schwerpunkt der Rechtschreibförderung.

Vorläufig fördern wir die Kinder mit besonderen Schwierigkeiten im Erlernen des Lesens und Rechtschreibens in äußerer Differenzierung in einer Schreibwerkstatt. Die Nachteile des "Herausgenommen-seins" werden mehrfach aufgewogen durch den Vorteil der kleinen Gruppe. Wir fördern bis zu zehn Kinder pro Gruppe. Der LRS-Erlaß NRW von 1991 gibt uns Spielraum von Kursgrößen zwischen sechs und zehn KursteilnehmerInnen.

Die teilnehmenden Kinder eines jeden LRS-Kurses werden für gewöhnlich als die schwächsten RechtschreiberInnen ihrer Klasse zu Beginn des Schuljahres durch Lehrerbeobachtungen gemäß LRS-Erlaß für den Förderunterricht ausgewählt. Jahrgangseinheitliche Rechtschreibtests können helfen die Belegung der wenigen Förderplätze gerechter zu verteilen. Ergebnisse anderer Tests, z.B. Intelligenztests werden nicht herangezogen, da die Kulturtechniken des Lesen- und Schreibenkönnens als Grundvoraussetzungen von jedem beherrscht werden müssen. Eine normale Begabung kann bei Kindern im 5. Schuljahr vorausgesetzt werden.

Im LRS-Erlaß sind für diese Kinder im 5. und 6. Schuljahr je zwei zusätzliche Stunden Förderzeit vorgesehen. Eine zusätzliche Förderung danach erscheint gegenwärtig durch die allgemeinen Sparmaßnahmen kaum realisierbar, mußte doch schon jetzt die Anzahl der Kinder, die gefördert werden, gegenläufig zum steigenden Bedarf eingeschränkt werden. Gab es früher mindestens einen Förderkurs pro Klasse, so werden heute die schwächsten RechtschreiberInnnen aus zwei, gelegentlich sogar drei Klassen in einem Kurs zusammengefaßt, je nach Konzeption der Schule.

Bei einem vollausgebauten Ganztag ist für die 5.- und 6.-Klässler keine zusätzliche Unterrichtsstunde mehr unterzubringen. Bei anderen Modellen läuft oft eine Stunde parallel zur freien Arbeit, während die zweite als zusätzliche Stunde für diese Kinder möglichst in einer ersten Stunde liegt. Auf die Effektivität der Förderung hat natürlich auch die schulische Organisation Einfluss. Wenn die Kinder in die Schreibwerkstatt kommen, während die anderen auch unterrichtet werden gibt es keine Probleme. Eine zusätzliche Förderung, also wenn die übrigen zu Hause bleiben, ist schulintern nur morgens sinnvoll. Nachmittags wirkt sie leicht wie eine Strafe.

Die Kinder, die Deutsch als Zweitsprache erlernen, bedürfen einer besonderen Förderung, die durch das Konzept der Schreibwerkstatt nur teilweise abgedeckt ist. Oft werden sie zeitgleich in speziellen DaZ-Kursen (Deutsch als Zweitsprache) gefördert.

Die Schreibwerkstatt eignet sich natürlich nicht nur für die Förderung der Schwachen. Das Angebot erweckt so viel Interesse, daß viele SchülerInnen nachfragen, ob sie nicht mitarbeiten können. Für diese Interessierten öffnen wir die Schreibwerkstatt jahrgangsübergreifend nachmittags für eine Schülerzeitungs-AG. Natürlich beeinflussen wir die jungen RedakteurInnen nicht inhaltlich. Wir stellen ihnen nur den Platz und die Geräte zur Verfügung und leiten sie in deren Gebrauch an.

Eine freiwillige Förderung in der Schreibwerkstatt ist auch schulübergreifend denkbar. Die Einrichtung könnte z.B. SchülerInnen ab dem 7. Schuljahr zur zusätzlichen Förderung für Kinder aus dem Stadtteil angeboten werden. Der LRS-Erlass sieht eine Förderung bis zur 10.Klasse vor. Kostenlose Angebote sind aber bisher für interesssierte Kinder und Eltern kaum aufzutreiben.

Der Ansatz Schreiben und Rechtschreiben zu integrieren ist natürlich auch auf die Erwachsenenbildung übertragbar. Diese Gruppe könnte z.B. in der Art von Volkshochschulkursen dieses zielgerichtete Schreibwerkstatt-Konzept mit Spaß erfolgreich nutzen.

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