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2.1 Erstellung von Lernprofilen


Um mit Kindern, die besondere Schwierigkeiten beim Lesen und Rechtschreiben haben, in der Sekundarstufe I erfolgreich arbeiten zu können, ist es nicht sinnvoll z.B. mit der Aufarbeitung der häufigsten Fehlerursache, der falschen Groß- und Kleinschreibung zu beginnen. Zwar werden mehr als ein Viertel der Fehler in diesem Bereich gemacht, sie sind aber auch mit am schwierigsten zu bearbeiten, da sie grammatische Einsichten voraussetzen. Bei Kindern, die Wörter weggelassen oder unlesbar gekrakelt haben, können –bungen zur Wortartbestimmung eher Verunsicherung stiften, als Sicherheit vermitteln. Diese Erfahrungen werden durch die Ergebnisse der Forschungen zum Schriftspracherwerb unterstützt.

Es ist notwendig, individuell zu fördern, um tieferliegende Unsicherheiten abzubauen. Wir beobachten gezielt, suchen nach dem tiefsten Punkt der Unsicherheit und beginnen da mit der Förderung. Erst wenn die Schwierigkeiten der untersten Unsicherheitsstufe automatisch bewältigt werden - das Kind also nicht mehr darüber nachdenken muß - hat es Lernkapazitäten frei, die Strategie für die nächsthöhere Stufe zu erlernen.

Im Lernprofil werden Rechtschreibfehler deshalb hierarchisiert.
Wir stellen für unsere SchülerInnen in regelmäßigen Abständen Lernprofile auf und unterstützen ihr Lernen dann gezielt. Für jede Strategie halten wir besondere Selbstlernmaterialien bereit, die die induktive Regelbildung gezielt unterstützen. Der integrative Ansatz gibt den Kindern aber auch die Freiheit, eigene Wege zu finden. Für unsere Arbeitsempfehlungen müssen wir nur immer die Frage klären:

"Mit welcher Strategie hätte das Kind den Fehler vermeiden können?"

lautorientierte StrategienAusnahmenwortorientierte Strategienkontextbezogene Strategien
mitsprechen und trennenlernenverlängern oder ableitenden Zusammenhang beachten

Unter dem kommunikativen Aspekt haben Fehler einen anderen Stellenwert. Wir bemerken vielmehr als früher, was das Kind schon kann. Meist machen sich die Kinder einen Reim auf schriftsprachliche Zusammenhänge, die viel logischer als bestehende Ausnahmen sind. Sie erspüren die Häufigkeit, z.B. dass die meisten Wörter klein geschrieben werden und dass lange Vokale meist nicht bezeichnet sind. Die Fehler zeigen uns, welche eigene Strategie das Kind anwendet. Nach den Erkenntnissen der Schriftspracherwerbsforschung empfehlen wir, was das Kind als nächstes lernen soll.

Siehe auch: Rechtschreib-Wortschatztests am –bergang zur Sekundarstufe I mit Anleitungen zur Strategiebildung

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