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1.6 Langzeitgedächtnistraining mit der Lernkartei


Die Arbeit mit der Lernkartei ist nach den Prinzipien für das Langzeitgedächtnistraining organisiert, dieselben Wörter werden an verschiedenen Tagen immer wieder geübt, bis sie behalten werden. Ein Wort hat bei unseren Arbeitsbedingungen in der Regel nach ca. zwei Wochen drei Häkchen. Dann wandert es aus dem "Übungsumschlag" in die eigene "Wörterschatz-Kiste". Schöner ist es, wenn die Kinder richtige Karteikästen mit mehreren Unterteilungen haben. Gelegentlich lassen sich Techniklehrer für den Karteikastenbau gewinnen. Fertig bekommt man verschließbare Lernkarteikästen aus Holz und auch aus Pappe bei AOL. Der Wörterschatz in der letzten Abteilung des Lernkastens wächst mit der Zeit an und ist der ganze Stolz des Kindes.

HIER FEHLT EIN BILD.

Nach einigen Wochen müssen diese Wörter noch mal gefestigt werden. Wir können die Kinder dafür im Gebrauch des Schreibmaschinentabellators unterweisen und sie dann ihre "Schatzwörter" dreimal nebeneinander in Tabellenform tippen lassen. Die abgetippten Wörter bekommen ein weiteres Häkchen, damit sie mit den nachfolgenden nicht verwechselt werden.

Wir sollten aber auch helfen, die Wörter-Schranke allmählich zu überwinden durch Training grundlegender Rechtschreibstrategien. Wenn z.B. neben dem Fehlerwort "Hände" - "Hand" auf dem Wörterzettel steht, leiten wir die SchülerInnen zum Ableiten an. Durch das Suchen ähnlicher Wörter erfahren sie den orthgraphischen Modellwert einzelner Wörter und lernen daraus verallgemeinerbare Regeln abzuleiten. So wird der Rechtschreibwortschatz zur induktiven Regelgewinnung genutzt.

In der Schreibwerkstatt können wir über wortbezogenen Strategien selten hinausgehen zu kontextbezogenen Strategien. Bei den meisten Kindern dieser Zielgruppe ist das Sprachverständnis noch begrenzt. Eine Regel wie "Nomen werden groß geschrieben" bleibt unfruchtbar, wenn dem Kind kaum klar zu machen ist, was ein Nomen ist. Kai aus einer Fördergruppe überlegte bei jedem Wort, ob man einen Artikel davorsetzen könne: der überhaupt, die überhaupt, das überhaupt. Es ist klar, dass ein Kind diese sinnlose Anstrengung nicht lange durchhalten kann. So angewandt wird die scheinbar einfachste Regel zum Hemmnis und zerstört jede Schreibmotivation.

Balhorn hebt hervor, dass richtig schreiben zu können und Regeln sagen zu können sei zweierlei. "Letzteres ist keineswegs die Bedingung des ersten. Und ob es überhaupt für Schreiben direkt hilfreich ist, wissen wir nicht. Das Konglomerat von Regelangeboten in Sprachbüchern nach ein paar hundert Jahren Rechtschreibmethodik drückt in seiner Halbherzigkeit das intuitive Wissen aus: Regeln, schon gar als Vorgaben, sind nicht der Weg zum rechten Schreiben." (Balhorn, 1987, S. 273)
Wir behalten als Ziel die induktive Regelgewinnung im Auge. Diese implizite Musterbildung hebt sich allein schon durch die Eigenaktivität vom herkömmlichen Regellernen ab. Über verschiedene Sortieraufgaben mit den Wörtern aus der Wörterschatz-Kiste bzw. aus der 4. und 5. Abteilung des Lernkarteikastens bilden sich die Kinder selbst Einsichten in Regelhaftigkeiten. Eine sichere Basis dafür sind automatisierte Strategien, wie trennen, verlängern und ableiten.

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