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1.5 Grundprinzip Wiederholung


RechtschreibreformerInnen und WissenschaftlerInnen, die sich mit der Forschung zum Schriftspracherwerb beschäftigen, sind einhellig zu der Überzeugung gekommen, dass Kinder sich selbst Strategien darüber entwickeln, wie wohl die Rechtschreibung funktioniert. Kompetente SchreiberInnen haben versucht in einer Vielzahl oft komplizierter Regeln Erklärungs- und Lernhilfen aufzustellen. Ihr Geltungsbereich ist unterschiedlich groß. Wie gering ihre Reichweite ist, erkennen wir an der Menge der Ausnahmen. Dazu kommen wortgeschichtliche Besonderheiten, für die es müßig wäre, Regeln aufzustellen. Die Reform will durch die Stärkung des Stammprinzips eine Menge Unlogik aus der Rechtschreibung herausnehmen, dennoch bleiben viele Ausnahmen erhalten. Sicherheit im Umgang mit den Gesetzmäßikeiten der Schriftsprache wird durch regelmäßig wiederkehrende Übungen besonders intensiv gefördert. Es ist müßig, Rechtschreibung allein über bestimmte Regelungen lehren zu wollen. Sie muss in ständiger Wiederholung geübt werden, und zwar sowohl im Zusammenhang als auch wortweise.

Unsere SchülerInnen wiederholen ihre isolierten Übungswörter zunächst in jeder Förderstunde, bis sie sie dreimal an verschiedenen Tagen richtig geschrieben haben. Die weitere Wiederholung geschieht im Abstand von Wochen bzw. Monaten integriert im Textzusammenhang, handelnd mit den verschiedenen Medien in der Schreibwerkstatt.
Ließen wir die Kinder in derselben Stunde die zehn Wörter dreimal üben, würden sie nur kurzfristig eine Schreibsicherheit gewinnen. Fragte man sie nach einer Woche, machten sie schon wieder Fehler, und nach einem Monat schrieben sie kaum noch ein Wort richtig. "Kurze, über einen längeren Zeitraum verteilte Wiederholungen sind bei weitem ergiebiger als langes, gehäuftes Üben" (Odenbach, 1977, S.123).

Eine wichtige Übungsmöglichkeit ist die Form des Partnerdiktats. Die Kinder üben für sie schwierige Wörter aus ihren eigenen Texten, aus Übungstexten, aus den Schulfunkdiktaten oder aus der Grundwortschatzliste. In ihrer persönlichen Rechtschreibübungskartei (Lernkartei) haben die Kinder immer zehn Wörter, die ihnen von den PartnerInnen zu Beginn jeder Förderstunde diktiert und mit ihnen direkt verglichen werden. Falsch geschriebene Wörter werden sofort korrigiert, richtig geschriebene bekommen ein Häkchen auf dem Zettel und wandern in das nächste Fach der Lernkartei. Zettel mit drei Häkchen sammeln sie als sichtbaren Schatz und Beweis ihres Fortschritts. Wir begrenzen die Übungswörter auf 10 pro Stunde und achten darauf, ob sie auch einen zukünftigen Gebrauchswert für die Kinder haben.
Wir müssen sicherstellen, daß beim Partnerdiktat nicht durch falsches Vorlesen Fehler entstehen und diese beim Vergleichen nicht bemerkt werden. Entweder schreiben wir die Wörter selbst auf die Kärtchen oder finden einen Modus, alle selbsterstellten Karteikärtchen vor dem Üben zu kontrollieren.

Das Kind trainiert mit der Lernkartei und durch wiederholtes Abschreiben und Lesen für Veröffentlichungen allmählich seine Fehler weg. Auf diese Weise ist sein Rechtschreibwortschatz immer aktuell und anwendbar. Die für seine schriftliche Alltagskommunikation wichtigen Wörter werden gesichert. Durch die differenzierte Auswahl der Übungswörter wird der sehr unterschiedliche, da lerngruppenbezogene, Grundwortschatz der Grundschule, in den Rechtschreibwortschatz überführt.

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