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  • tâtonnement expérimental

    "Wenn es Kinder gäbe, die ausschließlich in der Schule gelernt hätten - und nirgendwo sonst - würde man den totalen Misserfolg dieser Lernform feststellen. Wir meinen, und die Erfahrung liefert uns in jedem Moment den Beweis, dass das Kind sich selbst erzieht - nicht durch von außen herangetragenen Unterricht, sondern durch experimentelles Versuchen (tâtonnement experimental) im Leben."

    Freinet/Robic, S. 87;
    Zitiert nach Laun, 1982, S. 52-54



    Unterricht in der Freinet-Klasse geht von der Erfahrung aus, die die Kinder in ihrem Alltag machen, "in die Klasse hineintragen und dort als Fragen, Versuche Vorträge, als selbstverfaßte und gedruckte Texte oder als Nochforschungen in Büchern und Informationsheften weiter bearbeiten. Direkte sinnliche Eindrücke aus dem Milieu, in dem die Kinder aufwachsen, sind Angelpunkt des Lernens." [Laun, 1982, S. 52]

    Es ist naheliegend, dass - je nach Vorerfahrung - jedes Kind mehr oder weniger Zeit braucht, um seine Theorie zu entwickeln, die auch zu den anderen Erfahrungen passt, die es schon gemacht hat.

    Die LehrerIn hat dabei nicht etwa die Aufgabe, auf die Fragen eine Antwort parat zu haben, sondern ihre Aufgabe ist es, den Erkenntnisprozess zu moderieren, die Fragen an die Klasse weiterzugeben, Antworten der MitschülerInnen zu visualisieren (auch wenn sie falsch sind), die Diskussion über die unterschiedlichen Antworten zu ermöglichen, die Antworten zu hinterfragen, da wo (noch) keine Antworten möglich sind, mit den Kindern zu überlegen, wie und wo sie sich informieren können (Befragungen von Experten und Zeitzeugen, Literaturrecherche in der Klassen-, Schul- oder Stadteilbibliothek, Planung und Durchführung Erkundung vor Ort, ...), den Kindern behilflich sein, diese Aufgaben zu organisieren, einen Arbeitsplan zu erstellen, Selbst-tätig zu werden.

    Entscheidend ist, dass die LehrerIn den Kindern nicht vorauseilt, dass sie nicht Diskussionen dort initiert, wo die Kinder (noch) keine Fragen haben. Es ist der (Lern-)Prozess der Kinder, nicht der (Lehr-)Prozess der LehrerIn Man darf diese Arbeit nicht unterschätzen und darf nicht als 'blinden Aktionismus' sehen. Es geht nicht um eine Beschäftigungstherapie für die Kinder, sondern um nichts geringers als um die systematische gemeinschaftliche Klärung von Fragen, die den Kindern wichtig sind. Nicht von Fragen, die der Lehrplan aufwirft oder von denen die LehrerIn will, dass die Kinder sie hätten. Ganz von selbst erledigt sich hier das Problem der "dummen Frage", der Motivation, der unterschiedlichen Lernzeit von verschiedenen Kindern.

    Laun nennt mehrere Arbeitsschritte und Arbeitsmöglichkeiten der Klasse:

    freie Untersuchung Sie wird von den Kindern im Klassenzimmern mit 'mit Bord-Mitteln' selbst durchgeführt. Dazu stehen die "Arbeitsateliers" mit "Werkzeugen, Bastelmaterialien, Holz, Metallteilen, Gips, Ton und Kunststoff, ... alten Bau- und Experimentierkästen, alten Gerätschaften, Tonband und Cassettenrecordern, Schallplatten, gespendeten Schreibmaschinen [und Computern], ausrangierten Möbeln, Brettern und Kisten" zur Verfügung. Die Kinder "experimentieren, bauen, drucken, weben, gestalten". "... sie (die Ateliers) helfen, die Schüler aus ihrer traditionellen Rolle zu befreien, indem sie ihnen eigene Aktivitäten erlauben; sie durchbrechen die Beschränkung auf das rein verbale lernen und ermöglichen zugleich kooperative Arbeit." [Koitka, Freinet-Pädagogik, Berlin 1977, S. 12, zit. nach Laun 1982, S. 56]
    Aufgabe der LehrerIn ist es, den Kindern diese eigenen Aktivitäten zu ermöglichen, bei Schwierigkeiten das Kind zu unterstützen, es noch einmal zu probieren, doch einmal da oder dort genau hinzusehen, sich Hilfe und/oder Rat bei anderen Kindern zu holen. Keinesfalls sollte sie eingreifen, um den Vorgang zu beschleunigen, besser oder richtig zu machen.
    Erkundung Erkundungen sind "sorgfältig geplante Untersuchungen außerhalb der Schule (sorties-enquêtes)." Die Kinder kommen "in unmittelbaren Kontakt mit der gesellschaftlichen Realität". Sie besuchen "Fabriken, ... Baustellen, ... Handwerksbetriebe". sie erkunden "Wald, Landschaften und Gewässer ihrer Heimat". Vor einer Erkundung "werden die Fragen (der Kinder) gesammelt, nach einzelen Gesichtspunkten gegliedert und notiert. Je eine kleine Schülergruppe unternimmt es, die erhaltenen Informationen aufzuschreiben, zusammenzufassen und später in Form einer Gesamtdarstellung mit den anderen Arbeitsgruppen der ganzen Klasse vorzustellen."
    Aufgabe der LehrerIn: Sie muss den Prozess transparent gestalten. Schwierigkeiten und Schranken müssen auch erkennbar werden. Die Folgen von nicht erledigten Teilaufgaben auch als solche sichtbar werden lassen, nicht um einen Schuldigen zu finden, sondern um den Zusammenhang zwischen der eigenen Arbeit und den Arbeitsergebnissen deutlich zu machen.
    Arbeitsplan Der gemeinsame Arbeitsplan ist nicht die Kombination der zur Verfügung stehenden Zeit mit einem Pensum an abzuerledigenden Aufgaben. Vielmehr sind die beschlossenen Unterrichtsthemen - auch die Fragen von von Teilgruppen oder Einzelnen, im Protokoll festgehalten - das Programm für die kommende Woche (, den kommenden Monat).

    Der individuelle Arbeitsplan koordiniert die persönlichen Arbeitsvorhaben der SchülerIn mit dem gemeinsamen Arbeitsplan. Schnell wird dabei auch deutlich, wo eine individuelle Belastung oder auch ein 'Loch' entsteht, wo Plan und Leistungsvermögen nicht zueinanderpassen. Spätestens beim Vergleich von Planung und Realität.

    Aufgabe der LehrerIn: Es nicht die Aufgabe der LehrerIn genehmigende Instanz zu sein: Abstriche zu machen oder Aufgaben draufzusatteln, sondern unterschiedliche Einschätzungen zu verdeutlichen und so mit dem Kind etwa aufgetretene Unterschiede zu besprechen. Entscheidend ist hier nicht die Bewertung, das Messen an einem vorgegebenen Soll, dass Vergleichen mit den anderen, sondern die der sensible Umgang des Kindes mit seiner eigenen Erfahrung und Zielen in dieser Situation.
    Dokumentation/Archiv Alle Arbeitsergebnisse werden dokumentiert: "alle erarbeiteten Texte, Protokolle, Unterlagen, Ergebnisse von Erkundungen und Untersuchungen" werden aufbewahrt und fortlaufend durch SchülerInnen und LehrerIn ergänzt (durch Zeitungsausschnitte, Berichte aus Fachzeitschriften, Fotos, ...), sodass ein "Archiv" entsteht, in dem Schüler und Lehrer immer wieder auf bereits gesammeltes Wissen, aber auch auf bereits angewandte Untersuchungsmethoden und Vorgehensweisen bei Problemlösungen zurückgreifen können.
    Aufgabe der LehrerIn: Sie ist nicht 'RetterIn in der Not' mit schlauen Einfällen die die Situation für die Kinder rettet, sondern sie kann auf das Archiv verweisen und so das Selbstvertrauen der Kinder in deren eigene Handlungsfähigkeit stärken.
    Klassenversammlung Die Klassenversammlung ist auch Planungsinstument der eigenen Aktivitäten. In ihr wird wöchentlich festelegt, was in dieser (oder der folgenden) Woche bearbeitet werden soll. Die Versammlung damit immer auch eine Instanz der Selbstvergewisserung: "Was haben wir gewollt? > Was haben wir schon erreicht? > Wo wollen wir hin? > Was muss in den nächsten Schritten getan werden?" Dass in diesem Prozess auch jederzeit aktuelle Änderungen eingearbeitet werden können, liegt auf der Hand.
    Aufgabe der LehrerIn: Sie kann hier auch die Leitung an die Kinder selbst delegieren. Es wird hier besonders deutlich, wie weit sich sie als dominierender Faktor aus dem Prozess heraushalten kann und will, oder ob sie doch lieber die Fäden in der Hand behält. Doch damit steht und fällt die Selbstbestimmung.
    [Vgl. Laun 1982, S. 55]


    Ergänzungen

    "Freinet ordnet Tastendes Versuchen (tâtonnement expérimental) als natürliches Wachstumsbestreben aufgrund einer unersättlichen Neugier, das die Schule zum Vorteil der Kinder als Unterrichtsprinzip nutzbar machen soll. Unter methodischen Gesichtspunkten steht es unmittelbar neben der Arbeit und dem Freien Forschen im Kontext der autonomen Bildungsbestrebungen."
    (Riemer, Matthias (2004): Konstruktivistische Aspekte einer biologiedidaktischen Neuorientierung - metatheoretische und empirische Analysen zur Freinet-Pädagogik, S. 41)

    Tastendes Versuchen ist das Bemühen der Kinder, Erklärungen für die eigene Lebenswelt zu finden, sie durchschauen zu können. In diesem Prozess wächst das Vertrauen in die eigene Fähigkeit, selbst etwas für diese Aufgabe tun zu können. Erklärungen fallen nicht vom Himmel, sondern sind das Ergebnis der eigenen Anstrengungen.

    Weil die erarbeiteten Erklärungen auf die eigene individuelle Lebenswelt der Kinder bezogen sind und deren eigene individuelle Erfahrung berücksichtigen, ist dieses (eigene) Tun für die Kinder sinnvoll.

    empfehlenswerte Literatur:
    Kock, Renate (2001): Kinder lehren Kinder - Der Begriff des tâtonnement expérimental im Werk Célestin Freinets
    Baltmannsweiler, Schneider-Verlag Hohengehren, ISBN3-89676-404-7, 13,00 €






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