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    "Die einfachen Leute - Arbeiter, Bauern, Hausfrauen, Volksschullehrer - drücken sich, von wenigen Ausnahmen abgesehen, nicht in schriftlicher Form aus, sie haben nicht das Bedürfnis danach, sie schreiben nicht gern, was sie denken... (...) Schreiben ist eine Handlung, eine Handlung, die Macht verleiht, sobald das Geschriebene Verbreitung findet."

    Vasquez/Oury (1976): Vorschläge für die Arbeit im Klassenzimmer : die Freinet-Pädagogik, Alternativen zum gewöhnlichen Schulleben S. 80, Laun R. (1982): Freinet - 50 Jahre danach, S. 67



    "Freier Text" bedeutet: Eingebettet in Prozesse wirklicher Kommunikation sich mitzuteilen und schreibend seine Gedanken, Erlebnise, Träume, Phantasien zu bearbeiten, und zwar frei von den Zwängen zeitlicher, formaler und inhaltlicher Vorgaben der schulischen Rituale.

    5 wichtige "Freiheiten" des Freien Ausdrucks z.B. bei der Schreibproduktion:
    1. Räumlich Es gibt keinen für's Schreiben festgesetzten Ort. Die Kinder schreiben wo sie Lust haben (..)
    2. Zeitlich Es gibt keinen für's Schreiben reservierten Zeitpunkt. Vor allem ist das Schreiben nicht in einen Stundenplan eingegliedert. Das Kind kann an einem Tag mehrere Texte schreiben, um dann einen Monat lang überhaupt nichts zu schreiben.
    3. Schreibzugang Es gibt für den freien Text keine genormten Hefte; womit das Kind schreibt ist seine Sache. Die individuelle Auswahl des Papiers, der Schreibutensilien etc. spielen für die Kinder eine große Rolle, was man sonst nur Schriftstellern einzuräumen pflegt.
    4. Ortographisch/
    grammatikalisch
    Der Text wird nicht nach orthographisch/grammatikalischen Normen bewertet. Das heißt nicht, daß keine Methoden verwendet werden, um Rechtschreibung und Grammatik zu lernen.
    5. Graphisch Es kann jede Schrift, jede Schriftgröße, jede Type verwendet werden. Dies ist vor allem bei der Auswahl der Schriften und Schriftgrößen beim Setzen wichtig. Selbstverständlich gibt es keine Begreinzung des Textumfanges.

    [R. Laun, S. 66]

    Die Texte werden gesammelt und mindestens einmal pro Woche von dem Kind, das sie geschrieben hat, vorgelesen. [...] In gemeinsamer Arbeit geht man dann daran, den Texten zu ihrer "wahren" Sprache zu verhelfen. Welches Wort ist unverständlich, wo erscheint etwas unklar? Wichtig ist, daß der Text die Absicht des Schreibers wiedergibt, daß jeder versteht, was er sagen will. Stilistische Korrekturen werden vom Lehrer nur dort vorgenommen, wo die Verständlichkeit unter abschweifenden, oder lückenfhaften Sätzen leidet. Es geht keineswegs um eine Normierung der kindlichen Sprachproduktion, sondern um die geduldige, sensible Freilegung einer authentischen Mitteilung, einer persönlichen "Botschaft" an andere Mitglieder der Klassengruppe. [Vgl.: R. Laun, S. 66f]

    Der Freie Ausdruck hat drei wichtige Funktionen:

    pädagogisch Durch die Texte sprechen die Kinder viel über diejenigen Dinge ihres Lebens, die sie besonders interessieren. Der Lehrer versteht sie besser, kann ihnen Anregungen für [ihre] künstelerische, intellektuelle oder praktische Arbeit geben.
    therapeutisch Die Kinder können sich sie selbst "bewegende und belastende Erlebnisse "von der Seele schreiben" (oder malen, oder tanzen, ...). Das entlastet sie in mancher Hinsicht. Einen Text schreiben hilft, Konflikte abzuarbeiten. Mitschüler und Lehrer können auf ein verborgenes Problem aufmerksam werden, eine Aussprache kann angebahnt werden.
    politisch Schüler lernen das "Wort zu ergreifen" und lösen sich so aus der Rolle der schweigenden Mehrheit, die dem gedruckten, amtlichen oder Lehrerwort "... hörig ist. Vielmehr bestimmen sie [die Kinder], wovon in der Schule die Rede sein soll."

    [Henning, Zülch (1976): Konzept der Freinet-Pädagogik, S. 237]



    Die Klassenzeitung und die Klassenkorrespondenz sind hier wichtige Methoden/Techniken, in denen diese Fähigkeiten geübt, trainiert werden können.

    "Der freie Text, die Druckerei, die Schulzeitung [auch auf dem PC] und zwischenschulische Korrespondenz stellen zentrale Unterrichtstechniken der Freinet-Pädagogik dar. Sie vereinigen gerade beim lesen und Schreiben der Kinder alle wichtigen Prinzipien einer befreienden Erziehung und lassen sich auch unter relativ ungünstigen Arbeitsbedingungen verwirklichen." [Henning u.a. S. 239]

    Der Freie Ausdruck ist nicht nur auf die Textproduktion beschränkt. "Viele andere Dimensionen menschlicher Kreativität und Ausdrucksgabe haben ihren Platz in der Klasse, ohne sie jedoch zu bestimmten Zeiten einzuplanen ... oder sie an vorgegebenen Kriterien ästhetischer Beurteilung zu messen." [Laun: Freinet, 1982, S. 71f]

    Es geht eben nicht um "besonders schöne, vollendete oder gefällige Produktionen" sondern um "echte, authentische Formen des Ausdrucks" in denen auch "Gefühle der Aggression, Wut, Enttäuschung, Unsicherheit" ihren Platz haben, um eine "symbolische Selbstdarstellung in verschiedenen künstlerischen z.T. außersprachlichen Bereichen" [Henning, u.a. 1976, S. 240]

    Solche Bereiche sind z.B.: Freie Musik, Freie Gedichte, Freie Lieder, Freies Malen, Freier Tanz, Freies Werken, Freies Plastizieren, ... .

    Der Freie Ausdruck wird durch die verschiedenen Institutionen der Freinet-Klasse im Unterrichtsalltag verankert. Er ist kein "Füllstoff" in den letzten Stunden vor den Ferien, sondern systematischer Bestandteil des Unterrichtsalltages. die so (zu kultivierende) kultivierte zwischenmenschliche Kommunikation ist Instrument der Freinet-Klasse. [Vgl. Laun, ebenda, S. 72]


    Ergänzungen


    • Der freie Ausdruck hängt eng mit der Schuldruckerei zusammen. Bei Freinet hatten die Kinder das Recht, jederzeit einen freien Text zu drucken. Freinet hat wahrscheinlich von A. Ferrière die Idee des 'cahier die vie' übernommen und hatte die Idee, diese Texte der Kinder, die 'cahier de vie' zu drucken. ...mehr: die schweizer Legende




    Extern:



    Wenn Sie an Ihrer Schule den Freien Ausdruck entwickelt haben oder/und im Schulprogramm verankert haben, nehmen Sie doch bitte Kontakt mit paed.com auf.

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