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  • Autoren: Jochen Hering/Walter Hövel

    Immer noch der Zeit voraus

    Kindheit, Schule und Gesellschaft aus dem Blickwinkel der Freinetpädagogik
    (zum 100-jährigen Geburtstag von Célestine Freinet.)


    Besprechung:
    Inhaltsverzeichnis:


    Besprechung:

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    Anton Strobel, Lernwerkstatt Mannheim, in FuV 78/Nov. 1996

    Das Buch, das zum 100 Geburtstag von C. Freinet herauskam, hat einen recht anspruchsvollen Titel, wenn man bedenkt, daß in diesem Buch Texte einer Pädagogik abgedruckt werden, die Freinet schon nach dem 1. Weltkrieg formuliert hatte und die lange Zeit dem Leser nicht mehr zugänglich waren.Ich frage mich, ob das, was ein französischer Volksschullehrer vor 60 Jahren geschrieben hatte, an der Schwelle des 21. Jahrhunderts wirklich noch der Zeit voraus sein sollte. In diesem Schriftwerk fehlt völlig die Terminologie der aktuellen wissenschaftlichen Pädagogik. Auch die Überschriften zu den einzelnen Texten wirken recht simpel:

      Schluß mit den Schulbüchern
      Verlaßt die Übungsräume
      Die Schwätzer
      Vom Pferd, das keinen Durst hat
      Adler steigen keine Treppen

    Dem Leser, der ebenso skeptisch wie ich an dieses Buch herangeht, möchte ich anheimstellen, irgendwo in dem Buch einmal 2 bis 3 Seiten anzulesen. Vielleicht entzündet sich bei ihm eine ebenso große Faszination wie bei mir, die zum Weiterlesen animiert und so die anfänglichen Vorbehalte gegenüber diesem Buch ad absurdum führt. Freinets einfache Sprache tut richtig gut, weil er dennoch durch sie Substantielles ausdrückt. Ich hätte mir gewünscht, daß mir diese Texte schon früher zugänglich gewesen wären, da sie mich vor allerlei pädagogischen Dummheiten bewahrt hätten.

    In dem Buch schreiben auch heuteige Autoren, die sich der Freinetpädagogik verpflichtet fühlen. Wir erfahren etwas über Lernwerkstätten, warum sich LehrerInnen dort treffen, wie sie durch kooperative Arbeitsformen und durch die Sicherheit in der Gruppe dem allenthalben zu beobachtenden Einzelkämpfersyndrom begegnen können. Wir erfahren etwas über die Fragwürdigkeit der Fehlerkorrektur bei Klassenarbeiten, durch die sehr viel Energie verbraucht und dennoch nicht der Lernprozeß gefördert wird. Wir erfahren etwas über einen anderen Mathematikunterricht, bei dem durch den freien mathematischen Ausdruck die Schüler nicht unter-richtet sondern auf-gerichtet werden. Wir erfahren last not least auf Seite 38 etwas über den Charakter und die psychische Verfassung der heutigen Kinder: "Eine große Anzahl der Kinder verhält sich so, als sei ihr Zentralnervensystem an das Vorabendprogramm des Fernsehens angeschlossen: ihr schulisches Verhalten ist ein Reflex auf die schnellen Schnitte ... Sie sind nervös, können sich nicht konzentrieren, bedürfen der immer neuen Reize ... können nicht mit sich allein sein, behalten nichts, strengen sich nicht an - kurz: das Konstante ihrer Persönlichkeit ist die Flüchtigkeit ..."

    Fügen wir dieser Beschreibung die dramatischen Befunde von Kinderärzten hinzu, dann ist die Katastrophe fast perfekt. Beim immer mehr Kindern werden Defizite bei den körperlichen Grunderfahrungen diagnostiziert, beispielsweise können schon viele nicht mehr rückwärts gehen. Das Schwinden der Sinne wird durch die einschränkenden Lebensverhältnisse geradezu erzwungen. Was wir den Kindern durch einseitig kognitives Training, meist noch mit Hilfe moderner Medien vorn "reindrücken", geht hinten nicht nur wieder verloren, sondern verstärkt das Verkümmern der Persönlichkeit. Die Folge sind immer mehr seelische und körperliche Krüppel.

    Wenn wir einiges, was unsere moderne Gesellschaft den Heranwachsenden an Selbsterfahrung, an gestalterischem Tun, an inneren Bildern, an der ganzen Palette der Sinnlichkeit geraubt hat, wieder zurückgeben, läßt sich das fortschreitende Verkümmern der kindlichen Persönlichkeit ein Stück weit aufhalten. Die schulische Lernumgebung muß so gestaltet werden, daß Kinder sich bewegen, fühlen, beobachten, experimentieren und forschen können. Wenn sie sich auch noch im freien Ausdruck über das Malen, das Schreiben, die Musik, ja sogar über die Mathematik befreien können, statt zum flüchtigen Konsumenten degradiert zu sein, wird ihnen auch wieder ein Stück Menschenwürde zurückgegeben. Daß sowohl Freinets pädagogische Texte als auch die Beiträge der heutigen Autoren genau in diese Richtung zielen, spricht für die Aktualität dieses Buches.


    Inhaltsverzeichnis

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    • Vorwort
      Freinetpädagogik: eine eigen-sinnige Pädagogik
      von Jochen Hering und Walter Hövel
    • Der Sturzbach
      von C. Freinet
    • Den Wind von vorn
      Zur Aktualität der Freinet-Pädagogik
      von Jochen Hering
    • Moderne Aufzucht oder Konzentrationslager
      von C. Freinet
    • Sollen die Menschen verhältnismäßig werden oder die Verhältnisse menschlich?
      von Johannes Beck
    • Lassen Sie unnütze Soldatenarbeit
      von C. Freinet
    • "Sachen machen, davon haben wir gelernt..."
      Erinnerungen von Jean-Loup Ringot,
      bearbeitet von Jochen Hering
    • Nicht für alle das Gleiche
      von C. Freinet
    • Die Lernaufgabe als Grundverhältnis und Grundkategorie der Pädagogik und ihre revolutionäre Entwicklung durch Freinet
      von Horst Hensel
    • Die Grammatik auf vier Seiten
      von C. Freinet
    • Daß die Schule zum Lebensraum wird...
      von Eberhard Dettinger
    • Schluß mit den Schulbüchern
      von C. Freinet
    • Von Kullersystemen, freien Texten und dem Lob des Fehlers. Freinetbewegte Wege im Mathematikunterricht
      von Angely Glänzel-Zlabinger
    • Der Beruf prägt
      von C. Freinet
    • Müde von den Kirschen. Das Dilemma der Korrektur
      von Christian Schreger
    • Verlaßt die Übungsräume
      von C. Freinet
    • Wer die Schule verändern will, muß die angehenden Lehrerinnen und Lehrer gewinnen.
      Freinet-Pädagogik an der Hochschule
    • Wir sind Lehrlinge
      von C. Freinet
    • Lernen erleben, um lehren zu können - Lernwerkstätten und Freinet-Pädagogik
      von Angela Bolland
    • Die Schwätzer
      von C. Freinet
    • Freinet-Pädagogik und Erziehungswissenschaft - ein gestörtes Verhältnis?
      von Herbert Hagstedt
    • Scolatismus
      von C. Freinet
    • ... wenn man falsch anfängt, dann wird die Sprache nicht genug entwickelt
      Ein Interview mit Paul Le Bohec,
      zusammengestellt von J. Hering und W. Hövel
    • Vom Pferd, das keinen Durst hat
      von C. Freinet
    • Arbeit und Spiel
      von C. Freinet
    • Den Machtkampf vermeiden
      von C. Freinet
    • Nachwort: Die alte und die neue Schule
      Rede zur Einweihung einer Grundschule
      von Walter Hövel
    • Adler steigen keine Treppen
      von C. Freinet
    • Kinderreservate
      von C. Freinet
    • Quellenverzeichnis
    • Bildnachweis
    • Autorenverzeichnis
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