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E. u. C. Freinet

  • Forum Freinet

    Die Freinet's

  • Texte von E. & C. Freinet
    in deutscher Übersetzung


  • Lassen Sie unnütze Soldatenarbeit!

    Sie kennen die Geschichte - die nicht übertrieben ist - vom Arbeitskommando, das fünf Männer und ein Gefreiter übernehmen müssen. Sie haben die Aufgabe, einen störenden Haufen Kies in die andere Ecke des Hofes zu befördern. Irgendwie muß die Sache ja in Gang kommen. Dies geschieht nicht allzu schnell, denn so hinreißend ist die Aufgabe nicht. Nach einer Viertelstunde ist die Gruppe so weit, daß das Werk beginnen kann, wenn man in diesem Zusammenhang von "Gruppe" und "Werk" reden kann: ein Soldat faßt die Griffe des Schubkarrens; wenn er müde wird, setzt er sich darauf. Ein Zweiter achtet auf das Rad, er setzt sich auch auf den Karren, um das Gleichgewicht zu halten. Und die Leute mit der Schaufel in der Hand? Sie achten auf den Feldwebel, und wenn er herschaut, dann schwingen sie, hopp! eine Schaufel voll Kies ...

    "Steht da auf," sagt ein schlauer Rekrut, "ich schaffe ja allein mehr als fünf Gruppen zusammen!" "Darum geht es doch nicht," sagen die Erfahrenen. "Wir sind nicht in Zivil, und du wirst nicht nach Stücklohn bezahlt. Du wirst nur allen auf die Nerven gehen: den Kameraden, die keine Lust zu arbeiten haben, dem Gefreiten, der uns bis zum Essen hier beaufsichtigen soll und dem Feldwebel, der dir, wenn du fertig bist, ganz im Ernst sagen wird: 'Fangen Sie von vorn an ... Bringen Sie den Haufen wieder da hin, wo er war!' Zu Hause bei dir machst du doppelt so schnell. Hier, das ist Soldatenarbeit. Hier gibt's weder Ziel noch Zweck. Das wird gemacht, um die Soldaten zu ärgern und den Steuerzahler glauben zu machen, daß in der Kaserne viele und spezialisierte Arbeitskräfte gebraucht werden."

    Warum ist es oft leider so, daß die Arbeit in der Schule an diese "Soldatenarbeit" erinnert? Haben wir nicht sinnlos die Kieshaufen, von denen die Lehrbücher voll sind, von einer Stelle an die andere gebracht? Haben wir nicht diese Übungen gemacht, die einzig und allein die Funktion haben, die Hefte mit Tinte zu tränken und - diszipliniert! - die hoffnungslosen Stunden zu füllen, die nichts bewegt und nichts nährt? Haben wir sie nicht gehört, diese schicksalhafte Aufforderung: "Noch einmal von vorne!"

    Die Soldaten und die Liedermacher lachen aus vollem Herzen über solche Kiestransporte, über das "Kartoffelschälkommando", den Krawattenknoten und den richtigen Sitz des Käppis. Die Vorgesetzten glauben vielleicht im Ernst, daß hierin die bestimmten Faktoren liegen, die den Soldaten auf die Funktion als Kämpfer vorbereiten.

    Es ist noch niemand auf die Idee gekommen, die hoffnungslosen Übungen der Schule, die rote Tinte in den Heften und diesen eintönigen und langsamen Rhythmus, der eine Klasse diszipliniert und ordentlich im physischen und intellektuellen Gleichschritt marschieren läßt, zu besingen. Um eine solche Ordnung und eine solche Disziplin aufrechtzuerhalten, muß die Schule den zu schnellen oder zu bewußten Kindern den Kampf ansagen, denen, die zu schnell mit den Aufgaben fertig sind, die man sie anständigerweise nicht noch einmal machen lassen kann. Es gibt ein Gesetz des schulischen Milieus. Wer versucht , im zuwiderzuhandeln, greift das ganze Gebäude an. Sie müssen dieses Risiko eingehen. Prüfen Sie aufrichtig jede Aktivität, die Sie für Ihre Klasse vorgesehen haben. Machen Sie Jagd auf die "Soldatenarbeit", und wenn es sich vorübergehend nicht vermeiden läßt, vergessen sie nicht, daß es nur Soldatenarbeit ohne Ziel und Ergebnis ist.

    Preschen Sie voraus! Begeistern Sie ihre Kinder so, daß sie immer schneller und immer weiter wollen. Es genügt, wenn Sie genügend Aktivitäten vorsehen - und glücklicherweise gibt es davon sehr viele - die das Bedürfnis nach Kreativität und Selbstverwirklichung nähren. Der Feind ist die Soldatenarbeit!

    Text aus: J. Hering u W. Hövel (Hrsg): Immer noch der Zeit voraus, 19961, Bremen
    Original in: C. Freinet: Les dits de Mathieu, 1967

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