paed.com
 Kontakt
 Impressum
 Home
Freinet
Elise u. Célestin
Pädagogik
Grundlagen
Institutionen
und Methoden
Literatur/Medien
von und über Freinet
Freinet-Online
Foren - Blog - ...
Schuldruck
-

Kindergarten
Schule
Freinet in CH/DE
PH und Uni
Fortbildung
Kommentar
Pressespiegel


E. u. C. Freinet

  • Forum Freinet

    Die Freinet's

  • Texte von E. & C. Freinet
    in deutscher Übersetzung


  • Die "Schwätzer"

    In unseren Dörfern gibt es die "Schwätzer" und die "Schaffer", die Redner und die Arbeiter.

    Der Arbeiter arbeitet zunächst. Während seiner Arbeit und durch sie überlegt, lernt, urteilt, fühlt und liebt er.

    Der "Schwätzer" redet zunächst. Die Überlegenheit, die der Arbeiter aus seiner Findigkeit und Zähigkeit gewinnt, zieht er, der "Schwätzer", vorgeblich aus seiner Geschicklichkeit, mit Wörtern umzugehen und Systeme nach einem Wirrwarr von Regeln und Theorien zu ordnen, deren Hohepriester er ist. Das nennt er dann anspruchsvolle "Logik" und "Philosophie".

    Sie lernen Fahrrad fahren wie alle Fahrrad fahren lernen. Die "Schwätzer" werden Sie über ihren Irrtum aufklären: vorher muß man doch - nicht wahr - die Regeln des Gleichgewichts und die Anforderungen der Mechanik kennen!

    Die "Schwätzer" können aber gar nicht Fahrrad fahren!

    Wenn sie es wagten, würden sie Ihnen beweisen, daß Sie Unrecht haben, ihr Baby so unwissenschaftlich daherreden zu lassen, und sie würden sie den lieben langen Tag mit den unwiderlegbaren Gesetzen der richtigen Sprache traktieren.

    Aber ihre Kinder wären stumm!

    Eben jene Schwätzer haben uns eingeredet, es sei notwendig, das Erlernen des schriftlichen Ausdrucks mit dem methodischen Studium der Grammatik anzufangen und Schritt für Schritt vorzugehen: vom Wort zum Satz, vom Satz zum Abschnitt und dann zum vollständigen Text.

    Sie kennen die Grammatik, aber die Gabe, fesselnd und lebendig zu schreiben, haben sie verloren.

    Mit einer Schamlosigkeit, die höchstens noch von unserer Leichtgläubigkeit übertroffen wird, sprechen sie auch zu uns über die Vorzüge der Landarbeit und die bukolischen Reize der Arbeit auf den Feldern. Denn ihre Rolle ist es nicht zu arbeiten, sondern zu reden. Vor einem mucksmäuschen stillen Saal erklären sie mit Wissenschaft und Logik, wie man auf dem Land zu arbeiten hätte und was uns die frisch aufgeworfenen Erdschollen sagen oder die Trauerweiden, die im Herbst goldene Tränen aus ihren bewegten Blättern weinten.

    Sie aber können gar nicht arbeiten!

    Meinem Lehrling auf dem Land habe ich nichts zu sagen, außer wenigen wichtigen Worten, die im geeigneten Zeitpunkt ihm praktische Ratschläge oder Handgriffe vermitteln - oder auch sehr persönliche Gefühle, die sich über eine Bewegung, einen Blick oder Schweigen vermitteln.

    Aber dieser Philosophie der Weisen, die der Gipfel der Wissenschaft, der Logik und der Arbeit sein soll, wird er mit einem Achselzucken begegnen.

    Und er kann arbeiten!

    Text aus: J. Hering u W. Hövel (Hrsg): Immer noch der Zeit voraus, 19961, Bremen
    Original in: C. Freinet: Les dits de Mathieu, 1967

    freinet.paed.com wird von paed.com erstellt und liegt auf dem Server für Reformpädagogik
    paed.com ist unabhängig von weltauschaulichen Gruppen und politischen Parteien.
    paed.com ist aber nicht unpolitisch sondern "gehört auf die Seite des Kindes" (Zitat von Fritz Müller, Reformpädagoge)
    Impressum und Kontakte auf der Übersichtsseite von paed.com
    paed.com distanziert sich ausdrücklich von den Inhalten der Seiten, auf die Links weisen und von den Beiträgen, die in Foren und News-Content-Systemen abgelegt werden.
    Die Autoren tragen für diese Beiträge die alleinige Verantwortung.